Stellungnahme zum Rechenschaftsbericht des Rektors für die Amtszeit 1998/99

In der Sitzung des Großen Senats vom 28.6.1999 vorgetragen von
Dr. Heiner Must (im Namen der Gruppe Wissenschaftlicher Dienst).

Magnifizenz, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich melde mich zu Wort für die Gruppe des Wissenschaftlichen Dienstes, die in diesem Großen Senat ausschließlich aus Mitgliedern der Vereinigung der Akademischen Räte besteht - was mich als 1. Vorsitzenden dieser Vereinigung natürlich erfreut.

Der Rechenschaftsbericht des Rektors besticht mehr noch als in den letzten Jahren durch seine Knappheit und Nüchternheit. Andererseits hätte es ihm nicht geschadet, wenn neben dem "Pflichtprogramm" ein bißchen "Kür", sprich rhetorischer Schwung, Dank und Anerkennung für die Mitarbeiter und so etwas wie eine Gesamtvision der Universität erkennbar gewesen wären. Den Dank haben Sie, Magnifizenz, soeben in der mündlichen Kurzfassung immerhin nachgeholt. Sachlich ist die Bilanz durchaus überzeugend. In schwieriger Zeit ist unsere Universität im letzten Jahr ihren Aufgaben gerecht geworden, in mancher Hinsicht sogar ein Stück vorangekommen.

Daß der Bericht so prosaisch anmutet, liegt auch daran, daß sich derzeit alle Aufmerksamkeit auf die Novellierung des UG richtet und daß dieses Thema alles andere als kurzweilig ist.

Wir teilen die negative Beurteilung wesentlicher Elemente des vorliegenden Entwurfs. Wir haben die kritischen Stellungnahmen des Senats und anderer Initiativen innerhalb und außerhalb der Universitätsgremien deshalb auch mitgetragen. Auf Landesebene haben wir uns an den Aktionen der Landesvertretung Akademischer Mittelbau beteiligt, die sich bei Anhörungen der Parteien und Landtagsfraktionen und in einem Gespräch beim Minister ebenfalls sehr kritisch geäußert hat bzw. äußern wird.

Auch wir sind der Meinung, daß der vorliegende Entwurf – ohne daß ich hier ins Detail gehen möchte -

Als Mittelbau haben wir natürlich aufmerksam registriert, wie viel in der Debatte von Kollegialität die Rede war. Wir hoffen, daß die Kollegialität auch dann hochgehalten wird, wenn es darum gehen wird, auf der Basis des neuen, hoffentlich möglichst viel Gestaltungsspielraum einräumenden Gesetzes eine neue Grundordnung für unsere Universität auszuarbeiten. Wir werden an dieser Aufgabe konstruktiv mitarbeiten. Zum Beispiel wäre es für uns ein Zeichen von Kollegialität, wenn Institutsbeiräte geschaffen würden, wie dies die Landesvertretung Akademischer Mittelbau in der jetzigen Debatte vom Gesetzgeber fordert.

Manche Ideen der Novelle hören sich ganz gut an: Internationalisierung durch neue Studiengänge – vor allem Bachelor und Master -, Praktika, Technologietransfer, Teilzeitstudiengänge. Doch keines dieser Konzepte ist durchdacht und auf gesellschaftliche Realitäten abgestimmt. Außerdem sind diese Vorhaben nur realisierbar, wenn in den Universitäten entsprechende personelle und materielle Voraussetzungen geschaffen werden. Aber bei den meisten Vorhaben hat man den Eindruck, daß wissenschaftsfeindliche Vorstellungen und blinde Sparwut zugrunde liegen.

Doch bloßes Klagen wird nichts nützen. Ein Beharren auf etablierten Strukturen und Besitzständen reicht nicht aus. Die Universitäten werden sich sachfremder Zwänge nur erwehren können, wenn sie ihre Forschung und Lehre immer wieder selbst überprüfen und reformieren und außerdem unermüdlich um mehr Verständnis für ihre Aufgaben werben. Der wissenschaftliche Dienst ist bereit, an dieser Aufgabe mitzuwirken.